MUSEUM IM ZEHENTSTADEL

Scherer-Galerie und Heimatmuseum Reischenau

Die kleine Marienkapelle (Wegekapelle)


Kleine Marienkapelle um 1900 02.jpgKleine Marienkapelle um 1900

Über den Ursprung der kleinen Marienkapelle ist nichts berichtet. Fest steht jedoch, dass sie vor 1797 erbaut wurde und genauso wie die Besenkapelle am anderen Ortsende nie zum Messelesen gedacht war. Sie sollte den Reisenden vor Verlassen des Ortes zu einem Gebet für eine glückliche Heimkehr einladen.

Das rechteckige Gebäude mit dem Kreuzgewölbe öffnet sich mit einem großen Rundbogen zur Straßenseite hin. Den Rundbogen flankieren zwei Halbsäulen mit Würfelkapitelen. In der Nische des flachen Dreieckgiebels stand einstmals die kleine Holzfigur des hl. Johannes Nepomuk (Ende 18. Jh.). Diese kleine, wertvolle Figur ziert heute eine Mauernische im Heimatmuseum.

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Hinter den vergitterten Glastüren befand sich ehemals eine sitzende Madonna, die zum Gebet einlud. Diese Madonna (heute in der Dinkelscherbener St.-Simpert-Kirche) wurde in den 1970er Jahren durch eine stehende Madonna ersetzt. Der Dinkelscherbener Heimatforscher und Lehrer Anton Frank überlieferte, dass das Jesuskind auf den Armen der sitzenden Madonna gestrickte Puppenkleider trug, die von Frauen bei besonderen Gebetsanliegen immer wieder ausgetauscht wurden.

Den flachen Dreiecksgiebel ziert ein doppelbalkiges Wetterkreuz, wie es vor allem in der Barockzeit Brauch war. Die Form der Doppelkreuze geht auf das sogenannte Caravaca-Kreuz aus Spanien zurück. Im landläufigen Sinne war man der Meinung, wenn ein einfaches Kreuz vor Blitz, Hagel und Ungewitter schützt, wäre wohl die Wirkung durch ein Doppelkreuz noch größer. Der Glaube daran wurzelt in der damals begründeten Angst vor Missernten und der damit verbundenen Hungersnöte.

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Dieses Kreuz schlägt aber auch einen Bogen zur Besenkapelle am anderen Ortsende, denn - wie dort auch - erhoffte man sich durch den Schutz dieses  Doppelkreuzes eine Heilung von Hautkrankheiten, wird doch berichtet, dass durch die Verehrung des Caravaca-Kreuzes in Spanien eine Pestzeit beendet worden ist.


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Ergänzung:

Die Wegekapelle wurde im Jahre 2013 von der Marktgemeinde restauriert. In diesem Zusammenhang ließ der Heimatverein eine Kopie der Holzfigur des hl. Johannes Nepomuk (Ende 18. Jh.) anfertigen und sie in der vorhandenen Nische aufstellen. Die alte sitzende Madonna aus der Zeit um 1730 wurde aufgefunden, vom Heimatverein restauriert und ziert heute die Pfarrkirche St. Simpert.

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